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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:
INTERVIEW APOTHEKE UNIKLINIK MAINZ
Berlin - Als vor zwei
Monaten an der Universitätsklinik in Mainz drei Säuglinge nach
Verabreichen einer kontaminierten Infusionslösung starben, stand auch
das Sterillabor der Krankenhauspotheke unter Verdacht. Insgesamt 75.000
aseptische Rezepturen fertigt die Apotheke pro Jahr an. Den
Ermittlungen zufolge war eine der Ausgangslösungen mit Bakterien
belastet. APOTHEKE ADHOC sprach mit der Direktorin der Apotheke,
Professor Dr. Irene Krämer, über den Vorfall und die Konsequenzen für
die aseptische Herstellung in Apotheken.
Keine voreiligen Vorwürfe: Professor Dr. Irene Krämer, Leiterin der Apotheke der Uniklinik Mainz, ist dankbar für die Solidarität im Infusionsskandal. Foto: Uni Mainz
ADHOC: Wie haben Sie die zwei Wochen erlebt?
KRÄMER: Es war sehr anstrengend. Wir waren schockiert über die
Ereignisse und mein dringendster Wunsch war, herauszufinden, wo, wann
und warum das passieren konnte. Im Rückblick sind wir dankbar für die
Solidarität, die uns von allen Seiten entgegen gebracht worden ist. Die
Verantwortlichen in der Klinik haben uns keine voreiligen Vorwürfe
gemacht.
ADHOC: Wer hätte - im Falle eines Fehlers durch die Apotheke - gehaftet?
KRÄMER: Gehaftet hätte die Betriebshaftpflicht. Die Verantwortung hätte
ich als Leiterin der Apotheke übernehmen müssen. Aber ich habe in unser
System und unsere Mitarbeiter vertraut.
ADHOC: Welche Konsequenzen gab es für den Apothekenalltag?
KRÄMER: Der Vorfall hat uns sehr berührt, und wir sind uns unserer
Verantwortung mehr denn je bewusst. In den Herstellungsprozessen für
aseptische Rezepturen selbst haben wir nichts geändert. Wir haben jetzt
eingeführt, Restlösungen mit Datum zu versehen und eine Woche
aufzuheben. Auch andere Apotheken setzen auf diese zusätzliche
Kontrolle.
ADHOC: Hätte der Fehler verhindert werden können?
KRÄMER: Bei uns nicht. Die Staatsanwaltschaft kam zu dem Schluss, dass
die Ursache der Verunreinigung nicht bei der Herstellung zu suchen ist.
Nun werden die Ursachen vorrangig im Herstellungsprozess der
Infusionslösung und beim Transportweg gesucht. Wenn sich herausstellt,
dass es in diesen Bereichen eine Schwachstelle gibt, wird man
versuchen, die zu beheben.
ADHOC: Im Zuge der Diskussion sind Forderungen nach bundeseinheitlichen
Hygieneregeln für Krankenhäuser laut geworden. Inwieweit besteht der
Bedarf für Klinikapotheken?
KRÄMER: Wir haben einheitliche Regeln für die Herstellung. Es gibt die
Leitlinien zur aseptischen Herstellung vom Bundesverband Deutscher
Krankenhausapotheker (ADKA) und der Bundesapothekerkammer (BAK) sowie
die internationale Richtlinie der Pharmaceutical Inspection Convention
(PIC). Diese müssen eingehalten werden.
ADHOC: Müssen die Herstellungsprozesse für Parenteralia generell überprüft werden?
KRÄMER: Die Frage ist, welche Kontrollen und Untersuchungen zusätzlich
eingeführt werden können, um die Sicherheit weiter zu verbessern. Auf
Fortbildungen wird unser Fall öfter diskutiert. Ich gehe aber auch
davon aus, dass man als Apotheker die nötige Sach- und Fachkenntniss
hat und weiß, wie solche Dinge durchgeführt werden müssen.
Qualitätsmanagementsysteme sind eine zusätzliche Hilfe, um Prozesse zu
verbessern. Viele Apotheken sind zertifiziert, wir auch. Man wird immer
etwas finden, was verbessert werden muss, das ist auch gut.
Yvette Meißner, Freitag, 22. Oktober 2010, 10:54 Uhr
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